Hildegard Aderlass zur Blutreinigung

Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (akute Infektionskrankheiten, Körperschwäche, Blutarmut), ist der Aderlass nach Hildegard ein wichtiges Umstimmungsmittel zur Behandlung von chronischen Erkrankungen in Verbindung mit einer Engiftungs-Therapie-Serie (Schröpfen). Der Aderlass, wie überhaupt die Blutentziehung und das Schröpfen werden bei Hildegard als wichtige allgemeine Behandlungsmethoden angesehen, um die Selbstheilungskräfte im Menschen anzuregen, die von der „Schwarzgalle“ (krankheitsauslösende Fäulnisstoffe) im Körper blockiert werden. Erst wenn diese schädlichen, krankmachenden Säfte den Körper verlassen haben, können die körpereigenen Heilstoffe freigesetzt werden.

Hildegard schreibt: „Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch einen Aderlass von dem schädlichen Schleim und den durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden.“  Der Aderlass hilft zusammen mit einer Schröpftherapie-Serie mit, den Körper und das Blut von seinen Giften, die besonders bei jahrelangen chronischen Krankheiten die Heilung blockieren, zu reinigen. Hildegard und andere Ärzte sehen die große gesundheitsstörende Kraft in einem Überhandnehmen von schlechten, sauren Säften, die durch falsche Ernährung, Umweltgifte (Luft-, Trinkwasser-, Lebensmittelverunreinigung, Übermaß an tierischem Eiweiß, Zucker, Teigwaren, Bohnenkaffee, Alkohol, Nikotin, chem. Medikamente, Bewegungsmangel, chron. Schlafdefizit, Elektrosmog), aber auch durch Stressfaktoren wie Sorge, Kummer, Angst, Hetze, Ärger, Enttäuschung entstehen. Dabei wird die Schwarzgalle (=griechisch: Melancholie) vermehrt, ein Blutgift, das entweder zu Zornausbrüchen oder zu stillem Kummer führen kann und chronische Krankheiten verursacht. Der Aderlass hilft nicht nur mit, das Blut von diesen krankmachenden Schlacken- und Fäulnisstoffen zu reinigen, sondern auch die schlechte Mischung der Säfte, die aus Stoffwechsel- und Hormonregulationsstörungen resultiert, zu beseitigen. 

Daher lassen sich für den Aderlass folgende Indikationen angeben:
Verbesserung und Entgiftung des Gesamtstoffwechsels bei Fettstoffwechselstörungen, Blutzucker (Diabetes) und hohem Harnsäurespiegel (Gicht, Rheuma, Arthritis).
Entzündungshemmend und schmerzbeseitigend bei akuten und chronischen Entzündungen wie Rheuma, Hautentzündungen, Gallenblasen-, Nieren-, Blasen-, Eierstock-, Brust- und Uterusentzündungen.
Gegen Hormonregulationsstörungen bei keiner oder zu geringer Menstruation, Struma und Morbus Basedow, im Klimakterium oder bei Sterilität.
Krampflösende Wirkung bei Gefäßkrämpfen (Schaufenster-Krankheit = Raucherbein), Krampfadern, Nervenkrämpfen und Asthma bronchiale.
Beseitigung von Stauungszuständen durch Blutfülle der Lunge, Leber,
Bluthochdruck, Gefahr von Herz- oder Hirnschlag. Stauungen des Pfortaderkreislaufs bei Krampfadern und Hämorrhoiden.
Blutstillende Wirkung bei Blutungen durch Blutüberfülle: Nieren-, Lungen-, Haut-, Nasen-, Uterus-, Magen-Darm-, Blasen-, Hämorrhoidenblutungen sowie Blutungen im Auge. Nicht Blutstillung durch unterdrückende Mittel, sondern Beseitigung der Blutfülle durch den Aderlass ist hier das einfachste und sicherste Mittel.
Bei Nervenerkrankungen wie Neurose, Schlaganfallgefahr und seinen Vorboten (Schwindel, Kopfdruck, Ohrensausen), Kopfschmerz oder Migräne, Epilepsie, Schizophrenie, Depression, Melancholie, Angst, Unruhe und Reizbarkeit.
Bei Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Erkrankungen, Hauterkrankungen (Akne), Neurodermitis, Ekzem, Herpes, Psoriasis.
Bei der sogenannten Vichtkrankheit (Präkanzerose= Vorstadium eine Krebserkrankung), nach allen Krebsoperationen, insbesondere bei Totaloperation zur Vermeidung von Komplikationen und Metastasen.
Bei Ohrenkrankheiten, Meniere'schem Schwindel, Schwerhörigkeit und Entzündungen. 
Bei Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, zur Verminderung der Herzinfarktgefahr durch Beseitigung der Risikofaktoren (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes).
ALS ALLGEMEINES VORBEUGUNGSMITTEL

Gegenindikation: Der Aderlass sollte nicht bei starker Körperschwäche und bei zu starker Blutarmut, akuten Infektionskrankheiten und akuten Angina-Pectoris-Anfällen (= Sauerstoffmangel des Herzens mit Herzschmerzen in Ruhe und/oder Belastungen) durchgeführt werden.

Das Nüchternheitsgebot
Der Aderlass soll im voll nüchternen Zustand durchgeführt werden. Beim Essen und Trinken vermischen sich die Säfte, so dass eine Trennung nicht mehr möglich ist. Daher musste schon so mancher Patient, der gut gefrühstückt hatte, vom Aderlass ausgeschlossen werden, weil es heißt: „Will also ein Mensch eine Ader zur Verminderung des Blutes anschneiden, so soll er dies nüchtern tun, denn solange der Mensch nüchtern ist, sind die in ihm vorhandenen Säfte noch einigermaßen vom Blut getrennt und das Blut fließt dann im Menschen in rechter Weise und nicht zu rasch wie ein Bach, der in seinem Bette, frei von jeder Bewegung durch Wind und Wetter, richtig und ordentlich dahinfließt. Hat aber ein Mensch Speise zu sich genommen, dann beginnt das Blut in ihm etwas stärker zu strömen, die Säfte vermischen sich so sehr mit ihm und beide können dann nicht mehr leicht voneinander geschieden werden. Daher soll der Aderlass vorgenommen werden, wenn der Mensch nüchtern ist, damit die vom Blut getrennten Säfte um so leichter ausfließen können. Eine Ausnahme findet nur statt, wenn ein Mensch sehr hinfällig und schwach ist. Er kann vor dem Anschneiden der Ader etwas Nahrung zu sich nehmen, damit er nicht ohnmächtig wird“. Ausnahme bestätigen also die Regel. Geschwächte Patienten können vor dem Aderlass Dinkelkaffee oder Fencheltee mit Dinkelzwieback zu sich nehmen.
Der Aderlass-Schock öffnet die körpereigene (Hormon-) Apotheke: Durch den Nadelstich und den anschließenden Blutverlust gerät der Körper in eine ähnliche Schocksituation wie nach einem Unfall, wobei ein tiefer Reiz auf das Zwischenhirn (Hypothalamus = u. a. Regelorgan des Hormonsystems) und ganz besonders auf die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse = u. a. wichtige Schaltstelle des Hormonsystems) ausgeübt wird. Über die Hypophyse steuert der Organismus lebenswichtige, vegetative Funktionen wie etwa den Wärmehaushalt, die Herzfrequenz, den Wasser-, Salz- und Energiehaushalt, die Atmung und den Blutdruck.
Die Hirnanhangsdrüse öffnet ihr Hormonsystem und steuert damit die Tätigkeit der Schilddrüse, der Nebennierenrinde, der Keimdrüsen, wirkt bei der Frau auf die Eierstöcke, beim Mann auf die Samenkanäle, wobei Spermienbildung und Bildung männlicher Geschlechtshormone angeregt werden. Die Hormone der Hypophyse steuern den Menstruationszyklus, die Eireifung und die Tätigkeit der Brustdrüsen. Außer den Geschlechtshormonen werden von der Hypophyse auch noch stoffwechselsteuernde Hormone gebildet, die das Wachstum und den Fett- und Eiweißstoffwechsel beeinflussen.

DAHER KANN HILDEGARD ZU RECHT SCHREIBEN, DASS DER RICHTIG AUSGEFÜHRTE ADERLASS WIE EIN WARMER REGEN AUF DEN KÖRPER WIRKT UND IHN ZUR FRUCHTBARKEIT ANREGT. „Wird bei einem Menschen das Gefäß angestochen, wird sein Blut wie durch einen plötzlichen Schock erschüttert, und was zuerst austritt, ist fauliges, zersetztes Blut, das gleichzeitig mit dem Blut ausfließt. Daher hat das Blut auch zunächst eine Mischfarbe, weil es aus Fäulnis und Blut besteht. Sobald die Fäulnis mit dem Blut ausgeflossen ist, kommt reines Blut, dann muss man sofort mit der Blutentziehung aufhören. Denn ein Aderlass, der über das Maß hinaus vorgenommen wird, schwächt den Körper geradeso wie ein Regenguss, der ohne Maß auf die Erde fällt, diese schädigt.“

Stresshormone bewirken eine vorübergehende Schwächung des Immunsystems. In der Stressphase stellt sich der Körper erfolgreich oder nicht auf die Stressbelastung ein. Die Stresssituation hält solange an, wie der Mensch in der Stressbereitschaft verbleibt. Unglücklicherweise verweilen heute viele Menschen viel zu lange in dieser Phase, die dann als Überstress oder negativer Stress empfunden wird. Dieser Zustand kann zu einem Dauerzustand führen. Die Körperabwehr wird dadurch stark geschwächt. In diesem Zustand kann sich die Thymusdrüse (Abwehrzellen-produzierendes Organ) zur Hälfte verkleinern und Millionen von Abwehrzellen werden ausgeschaltet. Sobald durch den Aderlass etwa 100 bis 180 Milliliter „schlechtes“ Blut entnommen wurden, ändert sich die Farbe von Schwarz in Rot und der Aderlass wird beendet. Mit dem Umschlagen der Farben ist die Stressreaktion beendet, und der Körper kommt in eine Erholungsphase, in der in erhöhtem Maß Kortison ausgeschüttet wird, das Reparaturhormon, das in den Nebennieren gebildet wird. Die Kortisonausschüttung bewirkt eine wohltuende Entspannung, wobei der Stress zurückgenommen wird und sich die Körperfunktionen wieder normalisieren. Die stimulierende Wirkung des sympathischen Nervensystems wird nun von der beruhigenden Wirkung des Parasympathikus abgelöst, wobei sich der Körper entspannt und in eine Erholungsphase gerät. Diese Erholungsphase kann auch von einem Glücksgefühl oder dem Gefühl eines Erfolges begleitet sein.

Der moderne Mensch befindet sich aufgrund der Alltagshetze leider viel zu oft und viel zu lange in Stresssituationen, die viel zu viel Stressenergie verbrauchen. Die Folgen davon sind zu lange Erholungszeiten und das Gefühl der Erschöpfung, der Müdigkeit und der Depression. MENSCHEN, DIE ZUVIEL STRESS AUSGESETZT SIND, GREIFEN MANCHMAL ZU ALKOHOL, UM SICH ZU ENTSPANNEN UND BENUTZEN DROGEN WIE BOHNENKAFFEE ODER ANDERE STIMULANTIEN, UM DIE STRESSZEITEN ZU VERLÄNGERN, WODURCH ES ZU NOCH TIEFEREN ERSCHÖPFUNGSPHASEN KOMMEN MUSS.Die wichtigste Maßnahme gegen Stress besteht darin, dass man die Stresszeiten möglichst kurz hält. Dies war und ist für Menschen, die ein spirituelles Leben führen, eine Selbstverständlichkeit!

Hildegard lebte als Benediktinerin im natürlichen Wechsel von ora et labora - bete und arbeite - im Wechsel von Belastung und Entspannung, Anstrengung und Loslassen. Ein erwünschter Nebeneffekt der Kortison-Ausschüttung besteht in einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems. Kortison übt eine bekannte entzündungshemmende Wirkung aus, wobei es beim körpereigenen Kortison zu keinen Nebenwirkungen kommen kann. Dadurch beobachtet man bei Patienten, die eine Autoimmunkrankheit haben, das sofortige Einsetzen einer Heilungsphase. Hiervon profitieren Patienten mit Allergien, Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, Multiple Sklerose und besonders mit Polyarthritis, wo eine rasche Schmerzbeseitigung zu verzeichnen ist.

Die Kortison-Ausschüttung kann auch klinisch beobachtet werden, wie etwa bei einer Patientin, bei der durch den Aderlass eine Kortison-Behandlung überflüssig wurde. Die kurzzeitige Abwehrschwäche ist für den normalen Patienten kein Problem. Die langanhaltende Stresssituation jedoch führt zu einer langfristigen Schädigung des Immunsystems, wodurch der Körper für Infektionen, Virenerkrankungen und Immunkrankheiten empfänglich wird. Für diese Patienten ist ein jährlicher Aderlass und eine entsprechende Entgiftungs-Kur (Schröpf-Therapie-Serie) unumgänglich. Vor allen Dingen aber müssen sie lernen, Stress zu bewältigen, abzubauen und die Stressenergie in ein Maximum an Lebensenergie oder „Viriditas“, wie Hildegard sagt, umzuformen.

Aderlass beim Mann ab dem dreißigsten Lebensjahr (mindestens einmal im Jahr)
Bei Hildegard stehen genaue Angaben über das geeignete Lebensalter, die Menge des Aderlassblutes und den richtigen Zeitpunkt. „In besonderen Fällen kann bei den Männern schon im 12.Lebensjahr der Aderlass durchgeführt werden, jedoch nicht mehr als die beiden Schalen einer Nuss fassen (20 ml). Vom 12. bis zum 15. Lebensjahr soll der Aderlass nur einmal jährlich durchgeführt werden. Vom 15.Lebensjahr ab nehme man soviel Blut wie ein durstiger Mann in einem Zuge trinken kann (100-150 ml).“ Kein Mensch, sei es Mann oder Frau, soll einen Aderlass machen, solange er in seiner Entwicklung an Größe und Körpergewicht zunimmt, weil er den Menschen körperlich schwächen würde. Nach dem 20. Lebensjahr kann er wegen irgendeiner Krankheit zur Ader gelassen werden, aber nur wenig. Hat er aber das reife Alter von 30 Jahren erreicht, kann er, ob krank oder gesund, nach Belieben Aderlass durchführen,... bis zum 50. Lebensjahr.“ Nach dem 50. Lebensjahr, wenn Blut und Phlegma beim Manne abnehmen und der Körper auszutrocknen beginnt, soll nur einmal im Jahr zur Ader gelassen werden, und zwar nur zur Hälfte, gewöhnlich bis zum 80. Lebensjahr.“

Aderlass bei der Frau vom zwölften bis zum hundertsten Lebensjahr
Ganz besonders wichtig und nützlich ist der Aderlass für die Frau, weil die Frau in ihrem Körper viel mehr schädliche Säfte und krankmachende Fäulnisstoffe besitzt als der Mann. Daher soll die Frau vom 12.Lebensjahr an nach den gleichen Regeln zur Ader lassen wie der Mann, aber bis zum 100.Lebensjahr, weil wegen der schädlichen Säfte und zersetzenden Stoffe für sie eine größere Notwendigkeit besteht als beim Mann, wofür schon die monatliche Regelblutung spricht. Würde die Frau nicht von den schädlichen Säften und verdorbenen Fäulnisstoffen gereinigt, würde sie am ganzen Körper von vielen Beschwerden geplagt werden.

Der Aderlass verbessert die Durchblutung
Kürzlich konnte an der Medizinischen Hochschule Hannover in einer klinischen Studie bewiesen werden, dass das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, größer ist, je dicker, das heißt je zähflüssiger das Blut ist. Besonders bei der heute üblichen Überernährung mit Eiweiß (Eiweißmast), verdickt sich das Blut, weil dadurch die Zahl der roten Blutkörperchen zunimmt (Polyzythämie). Sobald das Blut zähflüssig wird, staut es sich in den Kapillaren, wodurch nicht nur die Durchblutung der Organe behindert wird, sondern auch die Versorgung mit Sauerstoff. Der Abtransport von Stoffwechsel-Schlacken aus den Zellen ist mit dieser Blutqualität ebenso nicht mehr optimal. Infolge der Polyzythämie rötet sich das Gesicht, wobei die Lippen auffallend blau bleiben (Lippencyanose). Es treten Schwindel, Kopfweh, Ohrensausen, Müdigkeit und Atemnot ein mit unangenehmem Hautjucken, das auf den Anstieg von Harnsäure und anderen sauren Stoffen im Gewebe zurückzuführen ist. abei erhöht sich der Hämatokritwert (die Gesamtzahl der Blutkörperchen) über das normale Maß von 45 Prozent. Bei einem Hämatokritwert von über 60 Prozent besteht Lebensgefahr durch Thrombosebildung mit Herz- oder Lungenembolie (Verlegung eines oder mehrer Gefäße durch Blutgerinnselgebilde). Die Blutkörperchen beengen sich gegenseitig und kleben aneinander, sodass das Blut nur noch langsam fließen kann. Der Aderlass ist in Verbindung mit dem Schröpfen das einfachste und schnellste Mittel, um das Blut wieder zu verdünnen (Hämodilution) und fließfähiger zu machen. Schon der Entzug von zirka 200 Milliliter Blut bei einem Hämatokritwert von 50 Prozent entfernt aus dem Körper 100 Gramm körpereigenes Eiweiß.

Der richtige Zeitpunkt des Aderlasses folgt kosmischen Gesetzen
Unsere körperlichen Funktionen sind kosmischen Gesetzen unterworfen.Besonders der Mond steuert und reguliert den Säftehaushalt in der Natur. Mit dem Mond laufen die Gezeiten Ebbe und Flut, in der Biskaya steigen die Wassermassen bis zu 15 Metern. Bei zunehmendem Mond steigen die Säfte in den Bäumen und Früchten, und bei abnehmendem Mond gehen sie wieder in die Wurzeln zurück. Saat und Ernte werden von diesem Rhythmus beeinflusst. Auch im Menschen steigen und fallen die Säfte mit dem Mond. Daher wird bei Hildegard der Aderlass auch bei abnehmendem Mond, das heißt am letzten Vollmondtag ausgeführt: „Er soll aber bei abnehmendem Monde zur Ader lassen, am ersten Tag, wenn der Mond anfängt abzunehmen, oder am zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Tage und dann nicht mehr, weil ein früherer oder späterer Aderlass nicht so viel Nutzen bringen wird. Nicht aderlassen soll man bei zunehmendem Mond, weil solcher Aderlass schädlich ist, da jetzt die mit dem Blut vermischte faulige Flüssigkeit sich nicht leicht von ihm scheiden kann. Bei wachsendem Mond fließen nämlich Blut und zersetzte Flüssigkeit gleichzeitig im Menschen und lassen sich nicht leicht voneinander trennen. Es ist so wie bei einem Strom, der, mit mäßiger Geschwindigkeit in seinem Bette fließend, diese seine Art beibehält. Nimmt aber der Mond ab, dann fängt das Blut mehr an, aufgeregt zu werden und sein Bett zu verlassen, lässt auch faulige Flüssigkeit ausfließen, wie es bei einer großen Überschwemmung der Fall ist, die das Verfaulte in ihr sichtbar macht und den Schaum aus sich auswirft.“

Verhaltensmaßnahmen nach dem Aderlass
Nach dem Aderlass sind 3 Tage verboten: „Es muss sich der Mensch drei Tage lang vor den Strahlen des hellen Lichtes der Sonne wie auch vor dem Scheine des brennenden Feuers in acht nehmen, weil während dieser drei Tage das Blut im Menschen durch diese Helligkeit erschüttert wird, bebt und häufig dem Herzen Schaden bringt.“ Der Aderlass erfordert nicht nur vom Therapeuten, sondern auch vom Patienten ganz besondere Disziplin, das heißt der Patient soll sich nach dem Aderlass Ruhe gönnen, 3 Tage nicht unter starkem Lichteinfluss leben (kein Fernsehen, kein Skifahren oder Arbeiten an Computerschirmen) und eine besondere Diät einhalten.     
Nach dem Aderlass sind zwei Tage lang verboten:
Zellulosereiche = verdauungsbelastende Kost, schwere frische Brote, Vollkornbrote und –gerichte, schwere Gemüse, Hülsenfrüchte, Kraut, Kohl.
Sämtliche Rohkost, Obst in jeder Form, auch Kompotte, Fruchtsäfte, Obstkonserven.
Fette Gerichte, alles Eingebrannte, Gebackene, Panierte, Schweinefleisch und –fett, Würste (Schweinefettgehalt!), gehärtete, raffinierte Öle und Fette, tierische Fette, Mayonnaisen.
Ausnahme: Butter
Fabrikzucker, auch brauner Zucker, Süßigkeiten, Bonbons, Süßspeisen, Schokoladen, Marmeladen.
Erlaubt: Honig, Birnendicksaft.
Bohnenkaffee, auch ohne Koffein, alle Industrie-Kunstgetränke, Alkohol, Colagetränke. Empfohlen: Wasser, Kräutertee, Malzkaffee.
Nikotin
Medikamente (wenn nicht vom Arzt als dringend erachtet).
Empfohlen sind Speisen: gemäss den Rezepten der Milden Ableitungsdiät III (siehe Literatur: Dr. Erich Rauch/Peter Mayr: Milde Ableitungs-Diät (im Haug-Verlag erschienen).

 

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