Diagnose durch Körperwärme: Die
Regulationsthermographie
© Dr. Johanna Pfusterschmid
Wahrscheinlich fiel dem Menschen schon sehr früh im
Laufe der Geschichte der Zusammenhang zwischen
Körpertemperaturen und Gesundheitszustand auf. Es gibt
hierzu eindeutige Überlieferungen. Zum Beispiel von
Hippokrates, der über Erfühlen der Hauttemperatur
Rückschlüsse auf das Befinden seiner Patienten zog. Diesbezüglich hat ja jeder
von uns seine Erfahrungen. Man denke an den Satz: Zieh
Dir was an, Du wirst Dich verkühlen! Aber auch oft die
starke Hitze über lokalen Entzündungen spricht eine
eindeutige Sprache. So
könnte ich noch viele Beispiele aus dem Alltagsleben
erwähnen, in dem wir durch die Wahrnehmung der
Körpertemperatur Informationen über uns und andere
erhalten. Denken Sie an das Erhitzt-Sein, wenn wir uns
aufregen oder an das Fieber oder an die Röte, die einem
ins Gesicht steigt. Am
Anfang des 17.Jahrhunderts wurden von Galileo Galilei
die ersten Versuche zur Messung von Wärme
unternommen, sozusagen zur Objektivierung dieses
Phänomens. Fahrenheit hat 1734 das geeichte
Quecksilberthermometer entwickelt und somit ein bis auf
den heutigen Tag unverzichtbares diagnostisches
Instrument erfunden. Im Laufe der darauf folgenden
Jahrhunderte wurde dann das Temperaturverhalten des
menschlichen Organismus intensiv erforscht. Ein weiterer
wesentlicher Einschnitt in der Geschichte der
Erforschung der Wärme-Physiologie war die Entdeckung der
Infrarotstrahlung und deren Sichtbarmachung - eine
Technik, die noch heute mit sehr aufwendigen und teuren
Kameras zur Diagnostik von gewissen
Durchblutungsstörungen in allen großen Kliniken
eingesetzt wird. Mein
Umgang mit Körperwärme bewegt sich hauptsächlich im
diagnostischen Bereich. Ich verwende in meiner Praxis
ein Regulationsthermographie-Gerät. Das Verfahren ist
eine Methode, deren Ursprung in die 50iger-Jahre
zurückreicht. Es handelt sich dabei um eine Messung der
Oberflächentemperatur im Bereich des Kopfes und des
Rumpfes an genau definierten Punkten mittels eines sehr
exakten Temperaturfühlers. Dutzende Einzelmessungen
werden dann aufgezeichnet, die in Reflexverbindungen zu
inneren Organen stehen.
Nach der ersten Messung muss der Patient unbekleidet bei
einer Raumtemperatur von ca. 23 Grad Celsius einfach
dasitzen und sich dadurch einem Kältereiz aussetzen.
Danach werden alle Punkte ein zweites Mal gemessen. Das
Thermographie-Gerät zeichnet dann alle Einzelmessungen
als Graphik auf. Mit der Regulationsthermographie kann
ich den Umgang des Organismus mit einer Belastung
betrachten, wobei die Belastung in den 10 Minuten des
unbekleidet Sitzens besteht, ca. 1-2 Minuten nach dem
Entkleiden beginnt bekanntlich die Körperoberfläche
abzukühlen. Zum
besseren Verständnis möchte ich hier etwas zur
Wärmephysiologie erläutern: Der menschliche Organismus
verfügt über die Fähigkeit, seine Körperkerntemperatur
unabhängig von der ihn umgebenden Außentemperatur
weitgehend konstant bei 37 Grad Celsius zu halten.
Hierzu stehen ihm 2 Mechanismen zur Verfügung:
Einerseits die Regulation der Erzeugung von Wärme,
andererseits die Regulation der Wärmeabgabe über die
Körperoberfläche. Mittels vieler tausender Messungen
konnte man feststellen, dass die Abkühlung bei einem
Kältereiz nach ganz bestimmten Gesetzen abläuft. Ein
gesunder Organismus zeigt ein geordnetes
Temperaturverhalten. Je höher jedoch die Grundbelastung
eines Menschen durch Stress, Krankheit,
Umweltbelastungen usw. ist, desto ungeordneter, also
chaotischer wird sein Temperaturverhalten werden. Dadurch bekomme ich auch
ein hervorragendes Bild von den einzelnen
Organfunktionen. Das kann man durch die in der Medizin
bekannten Reflexzonen erklären: Ein erkranktes oder
stark belastetes Organ beeinflusst das vegetative
Nervensystem in der ihm zugeordneten Reflexzone und
verändert in weiterer Folge auch die dortige
Durchblutung und Wärmeabgabe. So sieht man oft schon
sehr früh am Beginn einer Erkrankung Warnzeichen im
Thermogramm. Zum Beispiel finden sich über
Entzündungsherden in der zweiten Messung stärker
erwärmende Werte. Ich
möchte noch einmal die Möglichkeiten der Thermographie
kurz zusammen-fassen: Sie gibt Auskunft über:
- die Vitalität des Patienten
- über seine Belastbarkeit, etwa durch eine Therapie
- über das Ausmaß und die Lokalisation seiner
Grundbelastung
- über die Auslöser seiner angeblichen Beschwerden
Wenn ich ein Thermogramm und alle anderen notwendigen
Befunde eines Patienten habe, erstelle ich ein
Therapiekonzept, welches ich mit ihm bespreche. Dadurch
erfährt der Patient, was er sich erwarten kann und vor
allem innerhalb welchen Zeitraumes. Mein wirkliches
Anliegen ist aber nicht ein starres Therapieschema,
sondern die Beachtung der Individualität einer Person
und der Versuch, diese auch therapeutisch nicht aus den
Augen zu verlieren. Außerdem ist es auch so, dass gerade
chronisch kranke Menschen meist an einer Vielzahl von
Beschwerden und Einschränkungen leiden, die sich um die
eigentliche Erkrankung herumgruppieren.In solchen
Thermogrammen sehe ich meistens, wie durch die Belastung
der Erkrankung und der oft auch notwendigen tief
greifenden Therapie die Regulationsfähigkeit sehr rasch
abnimmt. Um dies zu verhindern, werden regelmäßig
patientenbezogene Behandlungsmaßnahmen verordnet, wie
Regulation des Säuren-Basen-Haushaltes, Einnahme des
milden F.X. Passagesalzes, Aktivierung der Leber als
hauptsächliches Entgiftungs- und Stoffwechselorgans,
Stimulierung der Niere als wichtiges Ausscheidungsorgan,
Einlauf, um den Körper rasch von den mobilisierenden
Stoffwechselgiften und Säuren zu befreien, Gabe von
Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Enzymen,
Verabreichung von homöopathischen Mitteln, usw. Dadurch
wird auch gegen eventuell auftretende Kur-Reaktionen
vorgegangen.Man kann also mit geringem Aufwand die
Therapiesituationen stabilisieren, sodass die Ausheilung
der Erkrankung bzw. Belastung gut erträglich wird. In den letzten Jahrzehnten
hat die Medizin große diagnostische und therapeutische
Fortschritte gemacht. Dies verleitet uns, oft zu
vergessen, dass es nicht nur Akutmedizin,
„Reparaturmaßnahmen“, Notfall-Chirurgie, usw. gibt,
sondern eine Unzahl von chronischen Erkrankungen, die
von Grund auf nebenwirkungsfrei ohne die Einnahme von
pharmakologischen Präparaten, die bloß Symptome
unterdrücken, ausgeheilt werden können.
In seltenen Fällen ist natürlich die Behandlung nach den
Grundsätzen der Schulmedizin auch bei chronisch
Erkrankten nötig.
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