Die Blutegelbehandlung wird seit über 2000 Jahren durchgeführt.
1916 gelang die Herstellung des gerinnungshemmend wirkenden
Heparins
aus Eingeweiden von Schlachttieren. Es verdrängte die Blutegel aus
der Klinik, da es medikamentös verwendbar und außerdem kostengünstiger
ist. 1956 wurde dann das Hirudin aus dem Blutegel isoliert, das dem
Heparin überlegen ist.
Die Behandlung mit Blutegeln stellt eine äußerst
wirksame und sanfte Form der Blutentziehung dar!
Zusätzlich bringen sie mit dem Speichel Hirudin zur
Blutverdünnung in die Blutbahn ein und entziehen dem Blut giftige
Stoffe!
Die klassischen Anzeigen für die Blutegelbehandlung sind:

Thrombophlebitis (Venenentzündung)

Zustand nach Venenoperation, bei der eine chronische Schwellung der Beine
weiter bestehen bleibt.

Die Perianalthrombose (lokale Blutgerinnselbildung in der Aftergegend)
Grundsätzlich gilt als Voraussetzung für die Behandlung die
Vollblütigkeit der Patientin bzw. des Patienten, also ein
Fülle-Zustand! Besteht nur lokal eine Fülle (z.B. ein geschwollenes Knie), allgemein
jedoch ein Leerezustand (verdauungsschwache Personen, Niederdruck-Patienten),
dann werden nur 2, maximal 3 Blutegel verwendet. Blutegel sind etwa 5 cm lange dunkelbraune Würmer.
Sie werden aus der Apotheke in einem Gefäß mit Wasser und
Luftlöchern geliefert. Die Blutegel müssen frisch sein, sie
dürfen nicht zu lang im Wasser liegen. Das Gefäß wird
im Dunkeln aufbewahrt. Zunächst wird an der geplanten Saugstelle ein kleiner Stich mit
einer Lanzette durchgeführt. Durch den austretenden Blutstropfen
wird der Appetit des Blutegels gesteigert. Er zwickt dann leichter an.
Die Haut darf weder mit Seife noch mit Salbe vorbehandelt sein, der Original-Hautgeschmack
ist den Tieren am liebsten! Mit der stumpfen Pinzette werden die Blutegel vorsichtig an ihre Futterstelle
angesetzt. Der Patient spürt einen geringfügigen Zwicker, dann
jedoch nichts mehr. Die Tiere saugen sich voll, wobei es fleißigere
und faulere gibt. Für diese Anwendung benötigt man viel Ruhe, Geduld und Zeit.
Nervosität und Hektik übertragen sich auf die Tiere. Als Probleme der Behandlung könnten selten allergische Reaktionen
der Haut auftreten, die man mit 1 Ampulle Calcium und Antihistaminicum
Tabletten (antiallergisch wirkende Tabletten) behandelt. Der kleine Bluterguss an der Bissstelle ist manchmal längere Zeit
zu sehen, sehr selten bleibt eine kleine Narbe zurück. In der Regel dauert eine Blutegelbehandlung 10 bis 30 Minuten.
Sie fallen dann vollgefressen ab. Wenn es länger dauert, bestreut
man sie mit Salz, sie fallen dann ab. Ein Tier saugt etwa 10 ccm Blut.
Durch das Hirudin kommt es zu einer längeren Nachblutung, manchmal
bis zu 24 Stunden! Für die Nachblutung rechnet man noch einmal 30 bis 35 ccm Blutverlust
pro Blutegel, also insgesamt 30 bis 50 ccm pro Egel. Man wickelt deshalb unmittelbar nach der Blutegelbehandlung über
die blutenden Körperstellen jeweils 1 Binde Stryphnon Gaze, die blutstillend
wirkt (Größe ca. 2300 ccm). Der Patient soll über Nacht
und den folgenden Tag das Bein bzw. die Beine hochlagern.
Die Blutegelbehandlung ist für Arzt und Patienten ein gewisser Aufwand,
doch der oft phantastische Erfolg lohnt für beide die Mühe!